Online-Betrug

Manipulierte Rechnung: Wenn Betrüger die IBAN austauschen

Auch bekannt als: Rechnung mit falscher IBAN, IBAN-Tausch, gehackte Rechnungs-Mail, Kaufpreis an Betrüger überwiesen

Betrüger lesen E-Mails mit und tauschen in echten Rechnungen die IBAN aus, beim Handwerker wie beim Wohnungskauf. So prüfst du Kontodaten vor dem Zahlen.

Aktualisiert am

Seit Monaten schreibst du mit deinem Makler. Der Notartermin ist vorbei, die Schlüsselübergabe steht fest. Dann kommt die Mail mit der Zahlungsaufforderung, im gewohnten Verlauf, mit dem richtigen Namen und dem richtigen Betrag. Nur die IBAN gehört Betrügern. Das ist eine manipulierte Rechnung: Jemand liest heimlich E-Mails mit, fängt eine echte Zahlungsaufforderung ab und tauscht die Bankverbindung aus.

Anders als bei einer Fake-Rechnung ist die Forderung echt. Du schuldest das Geld wirklich, nur eben nicht diesem Konto. Bisher traf die Masche vor allem Firmen, Fachleute nennen sie dort Business E-Mail Compromise. Inzwischen trifft sie auch Privatleute, beim Handwerker, beim Autokauf und beim Kauf einer Wohnung.

Was in München passiert ist

Im Oktober 2026 machte die Münchner Polizei einen Fall öffentlich. Eine 60-jährige Frau und ihr Mann wollten eine Wohnung in Bogenhausen kaufen, für den Ruhestand. Der Kaufpreis von 1,1 Millionen Euro war beim Notar beurkundet. Kurz vor der Schlüsselübergabe kam eine Mail, scheinbar vom Makler, mit dem das Paar seit Monaten Kontakt hatte. Die Frau ging zu ihrer Bank und schickte den Kaufpreis per Echtzeitüberweisung an das Konto aus der Mail.

Das Konto gehörte den Tätern. Sie hatten ein Postfach übernommen, die echte Zahlungsaufforderung abgefangen und eine eigene mit anderer Bankverbindung geschickt. Vorher hatten sie eine GmbH gegründet, deren Name fast so klang wie der der Immobilienfirma. Eine zweite gefälschte Mail sagte die Schlüsselübergabe ab. Aufgeflogen ist alles erst, als der echte Makler anrief und fragte, wo die Käuferin bleibe.

Das Geld war da schon weiterverschoben, zum Teil ins europäische Ausland. Weil das Paar sofort Bank und Polizei einschaltete, ließen sich rund 900.000 Euro sichern. So einen Fall hatten die Ermittler bei Privatleuten bisher nicht. Darüber berichteten unter anderem BR24 und die Süddeutsche Zeitung.

Wo die Masche sonst vorkommt

Überall, wo Rechnungen per Mail kommen und größere Beträge fließen:

  • Handwerker. Die Schlussrechnung für Bad oder Heizung kommt als PDF. Alles stimmt, nur die IBAN wurde ersetzt. Davor warnt etwa die Verbraucherzentrale Thüringen.
  • Wohnungs- und Hauskauf. Kaufpreis, Reservierungsgebühr oder Maklerprovision sollen plötzlich auf ein „neues“ Konto.
  • Autokauf beim Händler. Die Rechnung kommt vorab per Mail, kurz danach folgt eine zweite mit anderer Bankverbindung.
  • Notar, Anwalt oder Steuerberatung. Eine Kostenrechnung nennt ein Konto, das nicht zur Kanzlei gehört.

Wie die Täter in den Mailverlauf kommen

  1. Postfach knacken. Meist über Phishing oder ein Passwort aus einem Datenleck. Das kann dein Postfach sein oder das von Makler oder Handwerker. Mehr dazu unter Account-Übernahme.
  2. Mitlesen. Die Täter warten, oft wochenlang, bis eine größere Zahlung ansteht.
  3. Abfangen. Die echte Rechnung erreicht dich nie. Dafür richten manche Täter im Postfach heimlich eine Weiterleitung oder einen Filter ein.
  4. Austauschen. Du bekommst eine Kopie mit anderer IBAN, im selben Verlauf, mit derselben Signatur. Manchmal kommt sie von einer Adresse, die nur fast gleich aussieht, mit einem vertauschten Buchstaben. Das nennt sich Typosquatting.
  5. Drängen. „Bitte heute noch überweisen, sonst platzt der Termin.“ Eine Echtzeitüberweisung ist in Sekunden durch.

Stimmt die IBAN auf der Rechnung?

  • Die Bankverbindung ist neu oder anders als im Angebot, im Vertrag oder auf früheren Rechnungen.
  • Die Mail erklärt einen Kontowechsel, etwa mit „Bankwechsel“, „Prüfung“ oder „Umstellung“.
  • Die IBAN beginnt mit einem anderen Länderkürzel als dem Land, in dem die Firma sitzt. Bei einer deutschen Firma steht vorn meist DE.
  • Der Kontoinhaber heißt anders als die Firma, oder es steht gar kein Name dabei.
  • Der Ton ist plötzlich ungewohnt: Schreibfehler, eine andere Anrede, Du statt Sie.
  • Du sollst sofort zahlen, am besten per Echtzeitüberweisung.
  • Die Absenderadresse weicht um einen Buchstaben ab.

Kommt die Mail aus dem gehackten echten Postfach, passt der Absender. Dann siehst du der Mail nichts an. Deshalb zählt die nächste Regel.

Kontodaten nie nur aus der Mail

Eine IBAN, die du nur per E-Mail bekommen hast, überweist du erst, wenn du sie auf einem zweiten Weg bestätigt hast.

  1. Anrufen. Unter einer Nummer, die du schon kennst: aus dem Vertrag, von der echten Webseite, aus früheren Unterlagen. Nie unter der Nummer aus der verdächtigen Mail.
  2. Mit dem Vertrag vergleichen. Beim Wohnungskauf steht das Konto für den Kaufpreis im notariellen Kaufvertrag. Zahle nur dorthin. Beim Handwerker hilft der Blick ins Angebot oder in eine frühere Rechnung.
  3. Nicht auf die Mail antworten. Die Antwort landet womöglich bei den Tätern. Schreib eine neue Mail an eine Adresse, die du selbst eintippst, oder ruf an.
  4. Die IBAN Ziffer für Ziffer prüfen, auch wenn du sie aus dem PDF kopierst. In einem manipulierten PDF kann die kopierte Nummer eine andere sein als die angezeigte.
  5. Große Beträge in Ruhe. Lass dich nicht zu einer Echtzeitüberweisung drängen. Eine normale Überweisung lässt sich eher noch stoppen.

Mit Betrieben, die dir regelmäßig Rechnungen schicken, kannst du vorher etwas vereinbaren: Kontodaten ändern wir nur nach einem Anruf. Das rät auch die Polizei.

Was der Namensabgleich deiner Bank kann

Seit Oktober 2025 prüft deine Bank vor jeder Überweisung, ob der Name des Empfängers zur IBAN passt. Das Ergebnis heißt „Übereinstimmung“, „teilweise Übereinstimmung“ oder „keine Übereinstimmung“. Bei einer teilweisen Übereinstimmung zeigt dir die Bank den Namen, der wirklich zum Konto gehört.

Das hilft, wenn Betrüger ein Konto auf einen ganz anderen Namen nutzen. Es hilft wenig, wenn sie wie in München eine Firma mit fast gleichem Namen gründen. Lies den angezeigten Namen deshalb genau. Weicht er auch nur leicht ab, brich ab und ruf an. Gibst du trotz Warnung frei, trägst du in der Regel selbst das Risiko. Mehr zum Namensabgleich steht beim Vorkasse-Betrug.

Du hast schon überwiesen?

Jetzt zählen Minuten.

  1. Sofort die Bank anrufen. Verlang einen Rückruf der Überweisung und nenn Betrag, Empfänger-IBAN und Uhrzeit. In München ließ sich so der größte Teil des Geldes sichern.
  2. Die Polizei einschalten. Je früher sie Bescheid weiß, desto eher lassen sich Konten einfrieren. Anzeige erstatten kannst du auch über Online-Strafanzeige.
  3. Den echten Empfänger warnen. Ruf Makler, Handwerker oder Notariat unter der bekannten Nummer an. Vielleicht ist deren Postfach gehackt, und weitere Kunden sind in Gefahr.
  4. Dein Postfach sichern. Ändere dein Mail-Passwort von einem sauberen Gerät aus, schalte die Zwei-Faktor-Authentifizierung ein und schau nach Weiterleitungen und Filtern, die du nicht kennst.
  5. Nichts löschen. Heb die Mails mit allen Anhängen auf. Die Polizei braucht die Original-Mails, Screenshots reichen nicht.
  6. Beraten lassen. Ob du noch einmal zahlen musst, ist nicht eindeutig geklärt. Das Oberlandesgericht Schleswig hat eine Kundin entlastet, weil der Betrieb seine Rechnung nicht sicher genug verschickt hatte. Das Oberlandesgericht Karlsruhe ließ einen Autokäufer dagegen noch einmal zahlen. Die Verbraucherzentrale oder ein Anwalt hilft dir weiter.

Melden sich danach Helfer, die dein Geld gegen Gebühr zurückholen wollen, ist das oft der nächste Betrug: Recovery Scam.

Verwandte Maschen

  • Überweisungstrick: der Oberbegriff, wenn du selbst Geld auf ein falsches Konto schickst.
  • Fake-Rechnung: Die Forderung ist erfunden, du schuldest gar nichts.
  • CEO-Fraud: dieselbe Idee in Firmen, mit einer gefälschten Chef-Mail.

Absender prüfen

Kopiere die Absenderadresse in den FAKE-Checker. Er zeigt dir, ob sie schon als verdächtig aufgefallen ist. Sieht die Adresse nur fast richtig aus, prüf auch den Teil nach dem @ als Webadresse, dann siehst du etwa, wie neu die Seite ist. Kommt die Mail aus einem gehackten echten Postfach, wirkt der Absender aber unauffällig. Den Anruf unter der bekannten Nummer ersetzt der Checker deshalb nicht.

Häufige Fragen

Die Mail kommt von der echten Adresse meines Handwerkers. Kann die Rechnung trotzdem gefälscht sein?
Ja. Haben Betrüger das Postfach des Betriebs geknackt, schreiben sie von der echten Adresse und mitten im echten Mailverlauf. Am Absender erkennst du das nicht. Ruf vor dem Zahlen unter einer Nummer an, die du schon kennst, und lass dir die IBAN bestätigen.
Schützt mich der Namensabgleich meiner Bank vor einer falschen IBAN?
Nur zum Teil. Seit Oktober 2025 prüft deine Bank vor jeder Überweisung, ob Name und IBAN zusammenpassen. Eröffnen die Täter ein Konto für eine Firma mit fast gleichem Namen, sieht das Ergebnis trotzdem passend aus. Eine Warnung der Bank nimmst du ernst, aber ein passendes Ergebnis ersetzt keinen Anruf.
Ich kaufe eine Wohnung. Wie prüfe ich das Konto für den Kaufpreis?
Das Konto für den Kaufpreis steht im notariellen Kaufvertrag. Zahle nur dorthin und erst, wenn das Notariat dir mitteilt, dass der Kaufpreis fällig ist. Kommt per Mail eine andere IBAN, ruf beim Notariat an. Die Nummer findest du im Vertrag oder in der Notarsuche auf notar.de.
Muss ich noch einmal zahlen, wenn mein Geld bei Betrügern gelandet ist?
Das ist nicht eindeutig geklärt. Gerichte haben bei manipulierten Rechnungen unterschiedlich entschieden, mal für die Kundschaft, mal für den Betrieb. Zahl nicht vorschnell ein zweites Mal, sondern lass dich bei der Verbraucherzentrale oder von einem Anwalt beraten.

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