CEO-Fraud erkennen: Der gefälschte Auftrag von der Chefetage
Auch bekannt als: CEO Fraud, Chef-Masche, Fake-President-Betrug, Business Email Compromise, CEO-Betrug, BEC, gefälschte Chef-Mail
Beim CEO-Fraud geben sich Betrüger als Geschäftsführung aus und drängen Mitarbeitende zu einer eiligen, geheimen Überweisung. So erkennst du die Masche.
Freitag, kurz vor Feierabend, schreibt die Chefin an die Buchhaltung. Es gehe um eine vertrauliche Firmenübernahme, 85.000 Euro müssten heute noch raus, bitte mit niemandem darüber reden. Die Mail sieht echt aus, aber die Chefin hat sie nie geschrieben. Das ist CEO-Fraud, auch „Chef-Masche“ oder „Fake President“ genannt. Die Täter geben sich als Geschäftsführung aus, und das Geld landet auf einem Betrügerkonto, oft im Ausland.
Die Masche zielt auf Unternehmen und Organisationen, nicht auf Privatpersonen. Der Schaden geht schnell in den sechsstelligen Bereich.
Wie CEO-Fraud abläuft
- Ausspähen. Die Täter recherchieren Namen, Zuständigkeiten und Abläufe – über die Webseite, soziale Netzwerke oder vorheriges Phishing.
- Die gefälschte Anweisung. Eine E-Mail im Namen der Chefin oder des Chefs fordert eine eilige Überweisung für einen „streng vertraulichen" Vorgang, etwa eine Übernahme.
- Druck und Geheimhaltung. Niemand sonst dürfe eingeweiht werden, es müsse „sofort" gehen.
- Die Überweisung. Wird sie ausgeführt, ist das Geld kaum zurückzuholen.
Manchmal ist das echte E-Mail-Konto sogar gehackt, sodass die Nachricht vom richtigen Absender zu kommen scheint.
Wenn die Chefin anruft oder im Videocall sitzt
Die Masche bleibt nicht bei der Mail. Mit KI lassen sich Stimmen nachmachen, dafür reichen wenige Sekunden aus einem Interview oder Firmenvideo. Dann ruft „die Chefin“ selbst an oder schickt eine Sprachnachricht, die genau nach ihr klingt. Mehr dazu unter Voice Cloning.
Es geht sogar mit Bild. Anfang 2024 saß ein Mitarbeiter des britischen Ingenieurkonzerns Arup in Hongkong in einer Videokonferenz mit dem Finanzchef und mehreren Kollegen. Alle außer ihm waren mit KI gefälscht. Er überwies in 15 Buchungen umgerechnet mehr als 20 Millionen Euro. Aufgeflogen ist der Betrug erst, als er in der Zentrale in London nachfragte. Darüber berichtete unter anderem n-tv.
Eine bekannte Stimme oder ein bekanntes Gesicht ersetzt also keine Rückfrage. Ruf über die Nummer an, die du schon kennst, und frag nach etwas, das nur die echte Person wissen kann.
Kommt der Auftrag wirklich von der Chefin?
- Ungewöhnliche Zahlungsanweisung an den normalen Prozessen vorbei.
- Strikte Geheimhaltung und Verbot von Rückfragen.
- Hoher Zeitdruck und eine außergewöhnliche Begründung.
- Leicht abweichende Absenderadresse oder geänderte Antwortadresse.
- Bitte, nur per E-Mail zu kommunizieren.
- Ein Anruf oder Videocall, in dem die Chefin ungewohnt drängt und Rückfragen abwürgt.
So schützt du dich und dein Unternehmen
- Vier-Augen-Prinzip. Hohe oder ungewöhnliche Zahlungen immer von einer zweiten Person freigeben lassen.
- Rückfrage über einen zweiten Kanal. Per Telefon oder persönlich, über eine bekannte Nummer und nicht über Kontaktdaten aus der verdächtigen Mail. Das gilt auch, wenn Stimme oder Gesicht echt wirken.
- Feste Prozesse. Keine Eilüberweisung darf etablierte Freigabewege aushebeln.
- Absender genau prüfen. Schau dir den Teil der Mailadresse nach dem @ und die Antwortadresse genau an.
- Mitarbeitende schulen. Wer die Masche kennt, fällt seltener darauf herein.
Verwandt ist der Fake-Kundenservice, bei dem sich Täter als Support ausgeben. Dass Täter ein Postfach übernehmen und in einer echten Rechnung die IBAN austauschen, trifft inzwischen auch Privatleute, etwa beim Wohnungskauf. Mehr dazu unter Manipulierte Rechnung.
Die Überweisung ist schon raus?
Dann zählen jetzt Minuten, nicht Stunden.
- Sofort die Bank anrufen. Verlang einen Zahlungsstopp oder einen Rückruf der Überweisung. Nenn Betrag, Empfänger-IBAN und Uhrzeit.
- Geschäftsleitung und IT informieren. Ruf die echte Geschäftsleitung über die bekannte Nummer an, antworte nicht auf die Mail. Die IT prüft, ob ein Postfach gehackt wurde.
- Nichts löschen. Die verdächtige Mail mitsamt Anhängen aufheben. Die IT kann daraus die technischen Kopfzeilen auslesen, die Polizei braucht sie.
- Anzeige erstatten. Bei der örtlichen Polizei oder beim Landeskriminalamt.
Niemand muss sich dafür rechtfertigen, dass er auf eine gut gemachte Chef-Mail hereingefallen ist. Wichtig ist, dass es schnell gemeldet wird. Tipps für Unternehmen hat die Polizeiliche Kriminalprävention.
Verdächtige Mail prüfen
Du hast eine ungewöhnliche Zahlungsanweisung per E-Mail erhalten? Kopiere die Absender-Adresse oder einen enthaltenen Link in den FAKE-Checker und lass beides kostenlos prüfen, bevor du etwas veranlasst.