Schockanruf erkennen: Die Masche mit der angeblichen Notlage
Auch bekannt als: Schockanrufe, Kautions-Betrug, Unfall-Anruf, Notfall-Anruf-Betrug, Schock-Anruf-Masche, Falscher-Polizist-Anruf
Beim Schockanruf täuschen Betrüger einen Unfall oder eine Festnahme vor und fordern sofort Geld. So durchschaust du die Masche und reagierst richtig.
Das Telefon klingelt, am anderen Ende weint jemand: „Mama, ich hatte einen Unfall.“ Dann übernimmt ein angeblicher Polizist und sagt, nur eine Kaution verhindere die Haft. Das ist ein Schockanruf. Die Täter wollen, dass du vor Angst nicht nachdenkst, sondern sofort zahlst.
Betroffen sind häufig ältere Menschen, aber die Masche kann jeden treffen.
Wie ein Schockanruf abläuft
Nach der weinenden Stimme spricht angeblich ein Polizist, Staatsanwalt oder Arzt. Die Geschichte ist fast immer gleich:
- Ein naher Angehöriger habe einen schweren Unfall verursacht, bei dem jemand verletzt wurde oder starb.
- Dem Angehörigen drohe sofort Haft – es sei denn, es werde umgehend eine Kaution gezahlt.
- Du sollst Bargeld oder Wertsachen bereitlegen, die ein „Bote" abholt, oder das Geld überweisen.
- Während des gesamten Anrufs wirst du am Telefon gehalten und sollst mit niemandem sprechen.
Die angezeigte Nummer kann gefälscht sein – sogar die 110. Verlass dich nie auf das Display.
Ist das wirklich mein Kind am Telefon?
- Extremer emotionaler Druck und eine dramatische Geschichte.
- Sofortige Geldforderung, oft als Kaution.
- Ein Bote soll Bargeld oder Wertsachen abholen.
- Geheimhaltung: Du sollst mit niemandem reden.
- Echte Behörden fordern niemals Bargeld oder Kautionen am Telefon.
So reagierst du richtig
- Lege auf. Beende das Gespräch, so dramatisch es auch klingt.
- Ruf selbst zurück. Wähle die echte Nummer des angeblich betroffenen Angehörigen – nicht die des Anrufers.
- Gib nichts heraus. Keine Namen, keine Daten, kein Bargeld, keine Wertsachen.
- Verständige die Polizei über die 110, wenn du unsicher bist oder bereits Druck verspürt hast.
So sprichst du mit deinen Eltern darüber
Viele lesen diese Seite für ihre Eltern oder Großeltern. Ein Vortrag hilft dabei wenig, ein ruhiges Gespräch beim nächsten Besuch schon. Erzähl von einem Fall aus der Zeitung und frag, was sie in der Situation tun würden.
- Vereinbart ein Familien-Codewort. Wer am Telefon in Not ist und das Wort nicht kennt, gehört nicht zur Familie.
- Sagt einander ausdrücklich: Auflegen und zurückrufen ist nie unhöflich, und eine Nachfrage ist nie peinlich. Auch nicht nachts.
- Kleb einen Zettel neben das Telefon: „Die Polizei verlangt nie Geld. Auflegen, 110 selbst wählen.“ Dazu deine Nummer.
Du hast schon Geld oder Schmuck übergeben?
Dann zählt jetzt jede Minute. Je früher die Polizei Bescheid weiß, desto eher erwischt sie den Abholer noch.
- Ruf sofort die 110 an. Sag, dass du Opfer eines Schockanrufs geworden bist und wann der Abholer da war.
- Schreib auf, was du noch weißt. Wie sah der Abholer aus, wohin ist er gegangen, gab es ein Auto? Welche Namen fielen am Telefon, welche Nummer stand im Display?
- Hast du überwiesen, ruf deine Bank an. Bitte um einen Rückruf der Überweisung. Das klappt nur, solange das Geld noch nicht beim Empfänger ist.
- Leg bei weiteren Anrufen sofort auf. Oft melden sich die Täter noch einmal, zum Beispiel als angebliche Polizei, die dein Geld zurückholen will.
- Hol dir Unterstützung. Das Opfer-Telefon des Weißen Rings erreichst du unter 116 006. Der Anruf ist kostenlos und anonym, täglich von 7 bis 22 Uhr.
Schäm dich nicht. Die Täter machen das jeden Tag und wissen genau, wie man Angst erzeugt. Sie haben schon sehr viele umsichtige Menschen getäuscht. Weitere Tipps hat die Polizeiliche Kriminalprävention.
Eng verwandt ist der Enkeltrick, bei dem sich Betrüger als Verwandte in Geldnot ausgeben. Steht ein Todesfall oder Trauer im Mittelpunkt, spricht man von der Trauermasche. Einen Überblick über alle Maschen am Telefon findest du unter Telefon-Betrug.
SMS oder Link prüfen
Die Nummer im Display hilft dir hier nicht weiter, weil Betrüger sie fälschen können. Oft gehört sie einem Unbeteiligten. Hast du zusätzlich eine SMS oder einen Link bekommen, kopiere ihn in den FAKE-Checker und lass ihn kostenlos prüfen.